Im vierten Teil meines Reiseberichts erzähle ich von den Eindrücken, die ich beim Besuch der Felder unserer Projektteilnehmer gewonnen hatte. Zudem durfte ich den Bürgermeister von Vilankulo treffen und mehr über die Projekte von Izelia und Carlos erfahren.

Besuch der Landwirte

Heute habe ich mich schon um 5:30 Uhr mit den Ausbildern unseres Landwirtschaftsprojekts getroffen, um gemeinsam zu den Feldern unserer Projektteilnehmer zu fahren. Da es bereits am frühen Morgen sehr warm war, habe ich darauf geachtet genug Wasser mitzunehmen. Ich freute mich schon sehr auf den Besuch bei den Landwirten! Die Fahrt bis zu unserem ersten Halt dauerte knapp eine Stunde. Zum Glück hatten wir ein Auto mit Allradantrieb, da es zu den Feldern keine gut befahrbaren Straßen gibt.

Bessere Erträge durch mehr Wissen

Senhor Macicane

Als erstes besuchten wir die Felder von Senhor Macicane, der seit jeher als Landwirt arbeitet und sich auf den Anbau von Tomaten spezialisiert hat. In dieser Saison hat er allein durch den Verkauf der Tomaten aus eigener Produktion 80.000 Meticais (ca. 1.199,30 €) verdient.
Senhor Macicane besitzt 1 Hektar Land, auf dem er sowohl Tomaten als auch Gurken anbaut. Große Probleme hat er vor allem mit der Bewässerung seiner Felder, obwohl diese in der Nähe einer Lagune liegen. Er hat jedoch kein Wasserpumpensystem und muss deshalb das Wasser in Behältern sammeln und seine Felder von Hand bewässern. Er hat es sich zum Ziel gesetzt eine Bewässerungsanlage zu installieren, um die Arbeit erleichtern und die Produktion noch weiter erhöhen zu können.

Senhora Ana

Als nächstes besuchten wir die Anbauflächen von Senhora Ana. Ihre Felder befinden sich etwa 20 Autominuten von Senhor Macicanes Feldern entfernt und liegen ebenfalls in der Nähe einer Lagune. Während des Landwirtschaftsprojekts hat sie hauptsächlich Tomaten angebaut und konnte einen Gewinn von 25.000 Meticais (ca. 374,78 €) erzielen. Senhora Ana hat noch weitere Anbauflächen, die sie bisher jedoch aus finanziellen Gründen nicht bepflanzen konnte. In der kommenden Saison möchte sie diese bestellen, um ihre Produktion zu erhöhen. Als wir Senhora Ana besuchten, war sie gerade dabei ihre Felder vorzubereiten und neue Beete anzulegen. Sie fühlte sich sehr geehrt und war stolz darauf, dass wir bei ihr zu Besuch waren. Ich habe auch gemerkt, wie dankbar sie über die Teilnahme am Landwirtschaftsprojekt ist und dass sie eine große Zufriedenheit ausstrahlte.

Senhora Zelia

Anschließend sind wir zu den Feldern von Senhora Zelia gefahren, die in dieser Saison ebenfalls Tomaten angebaut hat. Die 50-jährige hatte beim Verkauf jedoch Schwierigkeiten, da fast alle Landwirte überwiegend Tomaten anbauten. Durch den großen Überschuss verdiente sie beim Verkauf nur 18.000 Meticais (269,84 €). Im nächsten Jahr möchte Senhora Zelia deshalb mehr Salat anbauen.
Ich war sehr beeindruckt wie bescheiden sie war und mit welcher Herzlichkeit sie uns empfangen hat. Auf ihrem Feld konnte ich viele Techniken sehen, die Senhora Zelia beim Landwirtschaftsprojekt gelernt und direkt umgesetzt hat. Zudem konnte sie ihr neues Wissen an Landwirte ihrer Gemeinde weitergeben, und war dort auch für die Verteilung der Setzlinge an weitere Bauern verantwortlich.
Leider war nicht ausreichend Zeit, um alle Teilnehmer des Landwirtschaftsprojekts zu besuchen, da ich um 11 Uhr den nächsten Termin hatte. Ich würde mich mit William Tunzine, dem Bürgermeister von Vilankulo, bei der Stadtverwaltung treffen. Davor wollte ich nochmal ins Hotel, um mich auf den Termin vorbereiten und frisch machen zu können.

Treffen mit dem Bürgermeister William Tunzine

Bürgermeister William Tunzine durfte ich bereits 2019 bei seinem Besuch der FHF in Stuttgart und während eines Delegationsbesuchs in Vilankulo mit der DMG kennenlernen.
Ich habe es sehr geschätzt, dass der Termin mit William Tunzine zustande gekommen ist und er sich die Zeit für uns genommen hat. Bei dem Treffen ging es vor allem um den anstehenden Bau des Berufsbildungszentrums, das gemeinsam mit der vilankuloschen Gemeinde und der DMG geplant ist. Zudem haben wir uns über die Projekte der FHF und die Zusammenarbeit mit der Gemeinde ausgetauscht.

Erfolgreiches Landwirtschaftsprojekt

Es hat mich sehr gefreut dem Bürgermeister von dem großen Erfolg des Landwirtschaftsprojekts erzählen zu können. Auch er war erfreut zu hören, dass unser Gewächshaus als Modellprojekt für das gesamte Gebiet in und um Alto Macassa gilt, und bereits zwei weitere mit Hilfe von staatlicher Unterstützung gebaut wurden.
Ich durfte eines dieser Gewächshäuser besichtigen, als ich die Produktionsfelder unserer Landwirte besuchte. Eine bessere Wirkung unseres Engagements auf die Landwirtschaft in der Region hätte ich mir nicht wünschen können. Ich bin sehr stolz auf die geleistete Arbeit der Ausbilder und Projektteilnehmer, und freue mich für die zahlreichen Landwirte, die davon profitieren.

Austausch zum Bau des Berufsausbildungszentrums

Der Bürgermeister erzählte, dass die Gemeinde bereits ein Grundstück für den Bau des Berufsausbildungszentrums zur Verfügung gestellt hat. Dieses wird in Kooperation mit der DMG gebaut, die FHF finanziert dabei die Berufsschule für Gastronomie und Hotellerie.
Austausch zum Entwurf des Lehrplans
Nach dem Austausch mit dem Bürgermeister, haben wir uns mit dem Dozenten der Eduardo-Mondlane-Universität in Inhambane getroffen. In dieser Zweigstelle der Universität, die ihren Hauptsitz in Maputo hat, unterrichtet er die Fachbereiche Hotellerie und Tourismus. Mit ihm haben wir den aktuellen Stand zur Fertigstellung des Lehrplans für die Hotelfachschule besprochen. Geplant war, dass bei dem Treffen auch einige Hotelbetreiber teilnehmen. Diese mussten aber leider kurzfristig absagen.

Besichtigung des Grundstücks

Im Anschluss haben wir das 2,94 Hektar große Grundstück besichtigt, auf dem das Berufsausbildungszentrum gebaut werden soll. Dieses befindet sich in sehr guter Lage, unweit des Stadtzentrums und direkt an der Straße.
Trotz der Nähe zum Stadtzentrum, ist die Umgebung noch nicht stark bebaut. Da ich auf meiner Reise viele unbewohnte Gebiete gesehen habe, hat mich das nicht sonderlich überrascht. Die Menschen bevorzugen es in städtischen Gebieten zu leben, in denen bereits eine Infrastruktur vorhanden ist.
Die Hotelfachschule wird das erste Bauprojekt der FHF sein. Wir freuen uns darüber, alle Projektphasen von der Grundstücksfindung bis zur Implementierung mitzugestalten.

Erkundungstour nach Inhassoro

Wir haben erfahren, dass es in der 84 km entfernten Stadt Inhassoro bereits ein Berufsausbildungszentrum gibt. Dieses wird von der SASOL und der GIZ finanziert und bildet junge Menschen u.a. im Bereich Buchhaltung, Küche und Verarbeitung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus. (society.sasol.com/inhassoro-training-centre-produces-more-artisans)
Um mit der Direktorin sprechen und uns ein eigenes Bild davon machen zu können, sind wir mit dem Auto ca. 2,5 Stunden nach Inhassoro gefahren. Leider war ein Treffen mit der Direktion nicht möglich, da zu diesem Zeitpunkt niemand mehr vor Ort war. Zudem durften wir ohne Erlaubnis auch keine Bilder machen, da es sich um eine private Schule handelt.

Kunstgalerie und Bildband über Vilankulo

Gegen 17:00 Uhr waren wir zurück in unserem Hotel in Vilankulo. Dort hatte ich mich für ein kurzes Kennenlerntreffen mit Izelia und Carlos in der Hotellobby vereinbart. Das Treffen war sehr herzlich, obwohl wir uns nicht sofort erkannten. Das junge Paar ist um die 30 Jahre alt und sozial sehr engagiert. Ich war sehr gespannt darauf zu hören, worum es bei ihren neuen Projekten, einem Bildband über Vilankulo und dem Bau einer Kunstgalerie, geht.
Izelia und Carlos erzählten mir, wie die Ideen für die neuen Projekte entstanden sind und welche Bedeutung diese für sie haben. Die Galerie liegt weit entfernt von den typischen Touristenorten, was sie aber bewusst so gewählt haben. Sie wollen den Touristen stattdessen die Kultur und die Traditionen der Regionen näherbringen, und das geht ihrer Meinung nach am besten in den Dörfern.
Ich war sehr beeindruckt davon, wie gerne sie hier leben und wie bekannt sie in der Gegend sind. Während unseres Treffens kamen immer wieder Leute vorbei, um Izelia und Carlos zu begrüßen: Von Hotelangestellten bis hin zu -gästen und Mitarbeitern der Stadt, die sich im Hotel für Besprechungen trafen.
Ich hatte mich sehr über das Treffen gefreut und hoffe, dass wir gemeinsam mit der FHF einen Weg finden können, um das junge Paar bei ihren Vorhaben zu unterstützen.

Veröffentlicht am: 4. August 2022|Zuletzt aktualisiert: 11. August 2022|Kategorien: Afrika, Mosambik, Reisen|Tags: , , , |1310 words|6,6 min gelesen|