Im zweiten Teil meines Reiseberichts erzähle ich, welche Eindrücke ich auf der Fahrt von Maputo nach Vilankulo gewonnen habe und was es mich über das wahre Mosambik gelehrt hat.

Mit dem Auto durch Mosambik

Nachdem ich einige Tage bei meiner Familie in der Provinz Maputo (nicht der Hauptstadt) verbracht hatte, fuhr ich mit Joaquim im Auto von Maputo nach Vilankulo. Joaquim ist ein langjähriger Mitarbeiter der Deutsch-Mosambikanischen Gesellschaft (DMG) und seit vielen Jahren Kooperationspartner der FHF in Mosambik. Die Deutsch-Mosambikanische Gesellschaft baut seit über 25 Jahren Vor- und Grundschulen sowie Berufszentren in Mosambik.
Im Jahr 2019 bin ich das erste Mal nach Vilankulo gereist, damals jedoch mit dem Flugzeug. Auch wenn mir bewusst war, dass wir mit dem Auto mehr als 10 Stunden unterwegs sein würden, freute ich mich sehr auf die gemeinsame Fahrt mit Joaquim. Der Großteil der Mosambikaner wohnt außerhalb der Hauptstadt und ich war gespannt darauf zu sehen, wie sie leben.
Treffpunkt war das Nationalstadion Zimpeto in Maputo und von dort ging es auf der Nationalstraße N1 nach Vilankulo. Vilankulo liegt an der indischen Küste etwa 714 km von Maputo entfernt. Die Küstenstadt hat ca. 40.048 Einwohner und ist zu einem beliebten Reiseziel für Touristen geworden.

Zwischenstopp in Bilene

Den ersten Halt machten wir nach etwa drei Stunden in Bilene. Dort besuchten wir die Sekundarschule, die im November 2021 von der DMG zu Ehren des verstorbenen Honorargeneralkonsuls der Republik Mosambik, Siegfried Lingel, eröffnet wurde.
Vor dem Bau dieser Sekundarschule gab es in der Region um Bilene keine weiterführenden Schulen. Stattdessen mussten die Jugendlichen nach der Grundschule weite Strecken zurücklegen, um in benachbarten Kommunen eine weiterführende Schule besuchen zu können. Für die meisten ist dies jedoch aufgrund der Entfernung nicht möglich, da das öffentliche Verkehrsnetz nicht ausreichend ausgebaut ist. Vor allem junge Mädchen erfahren von klein auf, dass Haushaltspflichten für Frauen wichtiger sind als eine Schulbildung. Ihnen wird damit die Perspektive ein finanziell unabhängiges Leben führen zu können genommen. Oft bleibt ihnen nichts anderes übrig, als bereits im Teenageralter zu heiraten und selbst eine Familie zu gründen.
Vor allem durch solche Schicksale wurden mir die Bedeutung von Bildungsprojekten und die große Wirkung, die sie auf das Leben junger Frauen haben, noch deutlicher bewusst.
Die DMG plant für die Zukunft eine Erweiterung der Schule sowie den Bau eines Ausbildungszentrums auf demselben Grundstück. Als wir die Schule besuchten, waren einige Schüler und Lehrer gerade dabei das Grundstück zu säubern, auf dem ein Gemüsegarten angelegt werden soll. Das hat mich an meine Grundschule in Maputo erinnert, in der wir auch einen Gemüsegarten hatten, um den wir uns abwechselnd gekümmert haben.

Mosambikaner sind durchschnittlich 17 Jahre alt

Durch die Reise mit dem Auto habe ich Mosambik noch einmal auf eine ganz andere Art und Weise kennengelernt. Mir ist vor allem aufgefallen, wie viele junge Menschen in Mosambik leben. 45% der Bevölkerung von Mosambik ist jünger als 15 Jahre (Mosambik CIA Factbook), das Durchschnittsalter liegt bei 17 Jahren (Stand 15. Juni 2022; Mosambik Bevölkerung 2022). Das fällt sofort auf – vor allem im Vergleich zu Deutschland, wo das Durchschnittsalter bei 48 Jahren liegt.

Was bedeutet das für das Land?

Trotz der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre gilt Mosambik als eines der ärmsten Länder der Welt. Nach der langen Kolonialzeit hat das Land wenig bis kaum finanzielle Mittel in das Bildungssystem des Landes investieren können. Infolgedessen gibt es landesweit nicht genügend Bildungseinrichtungen für die schnell wachsende Bevölkerung. Um das Bildungsangebot zu verbessern, wird bereits viel unternommen, wie z.B. der Bau neuer Grundschulen, Berufsausbildungszentren oder durch Aufklärungsarbeiten. Landesweit ist dadurch bereits eine Besserung der Zahlen eingeschulter Kinder zu sehen. 2017 wurden 85% der Kinder eingeschult, im Jahr 2000 waren es nur 55% (Grund- und Berufsbildung in Mosambik verbessern | BMZ).

Wachsende Kluft zwischen Arm und Reich

Entlang der Straße haben wir auffällig viele Frauen und junge Mädchen, Obst, Gemüse, selbst gebackenes Gebäck oder Kunsthandwerk am Straßenrand verkaufen sehen. Es ist nach wie vor so, dass Kinder – auch ganz junge Kinder und insbesondere Mädchen – ihre Familien dabei unterstützen müssen, um den Lebensunterhalt zu verdienen.
Bei diesem Anblick habe ich mich wieder gefragt, welche Gründe dazu geführt haben, dass sie nicht in der Schule sind. Können sie es sich nicht leisten? Halten die Familien es nicht für nötig? Haben sie keinen Schulplatz bekommen?
Auch die wirtschaftliche Entwicklung im Land ist sehr unterschiedlich. Die Schere zwischen Reichtum und Armut wird immer größer, was für mich unbegreiflich ist. Ein Großteil der Bevölkerung muss mit weniger als 2 US-Dollar am Tag zurechtkommen, während andere in Luxus schwelgen.
Zudem müssen Kinder außerhalb der Großstädte noch immer lange Strecken allein und zu Fuß zurücklegen, um eine Schule besuchen zu können. Ständig haben wir Kinder und Jugendliche gesehen, die auf dem Schul- oder Heimweg waren. Auf diesem kilometerlangen Fußmarsch ohne Gehweg entlang der Straße kann den Kindern in Mosambik so viel passieren, doch für sie ist es absolute Normalität.
In der Hauptstadt Maputo sieht das wieder ganz anders aus. Viele Kinder werden von Schulbussen oder Fahrern der Familien zur Schule und nach Hause gebracht. Sie wissen nicht, was es bedeutet stundenlang zu gehen, um am Unterricht teilnehmen zu können. Ich kann kaum fassen, dass innerhalb eines Landes die Unterschiede im Lebensstandard so weit auseinander gehen – die Autofahrt war eine deutliche Erinnerung an diese Realität.

Hilfe von gemeinnützigen Organisationen

In den ländlichen Gebieten ist mir auch noch aufgefallen, dass viele gemeinnützige Organisationen aus dem Ausland präsent sind. Sie setzen sich für die ärmere Bevölkerung ein und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung dieser Regionen. Beispielsweise werden viele Vor- und Grundschulen gebaut, um auch den Kindern außerhalb der Stadt eine Schulbildung zu ermöglichen. Vor allem wenn man sich die Alphabetisierungsrate bei Jugendlichen zwischen 15 bis 24 Jahren anschaut, wird einem die Notwendigkeit von Schulen bewusst. Diese lag 2018 bei Frauen bei ca. 57%, Männer kommen immerhin auf ca. 80% (Plan LänderstrategieMosambik).
Es hat mich auch wieder darin bestärkt, dass die Arbeit der FHF sehr wichtig ist. Denn Bildung sollte nach der Grundschule nicht aufhören. Damit die Zukunft von Mosambik sich nachhaltig verbessert, muss die Bevölkerung einen Beruf erlernen und für sich selbst sorgen können.

Ankunft in Vilankulo

Als wir sehr spät am Abend im Hotel in Vilankulo angekommen sind, freute ich mich vor allem auf eine Dusche und das Bett. Zum Glück hatten wir im Vorfeld im Hotel angerufen, um uns ein paar Sandwiches ins Zimmer stellen zu lassen, da das hoteleigene Restaurant bereits geschlossen war. Nach dem Essen bin ich direkt ins Bett gefallen, die Fahrt und vielen Eindrücke haben mich doch erschöpft. Am nächsten Morgen hatte ich bereits um 9:00 Uhr den ersten Termin bei der Stadtverwaltung von Vilankulo – wie der Termin abgelaufen ist, können Sie im dritten Teil meines Reiseberichts nachlesen.

Veröffentlicht am: 22. Juli 2022|Zuletzt aktualisiert: 28. Juli 2022|Kategorien: Reisen|Tags: , , , |1149 words|5,7 min gelesen|